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Privatsphäreeinstellungen in sozialen Netzwerken: zwischen Einfachheit und Flexibilität

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Worum geht es?

Gestern hat Myspace bekanntgegeben, daß es seine Privatsphäreeinstellungen dahingehend vereinfachen möchte, daß es nur noch eine einzige Einstellung für alle Bereiche gibt. Man kann also nur noch alles auf einmal auf eine höhere oder eine niedrige Privatsphäreeinstellung und nicht mehr verschiedene Bereiche unterschiedlich einstellen. Auf den ersten Blick wirkt das wie eine sinnvolle Vereinfachung.

Auf den zweiten Blick jedoch halte ich dieses Vorgehen für hochproblematisch, insofern gar keine Möglichkeit mehr gegeben ist, einzelne Einstellungen individuell zu verändern. Denn ich bin der Meinung, daß das User eher dazu verleitet, auch insgesamt laxere Privatsphäreeinstellungen zu wählen, Meiner Erfahrung nach gibt es immer irgendeine Funktion, die man für alle freischalten möchte oder ohne deren vollständige Freigabe sogar die sinnvolle Benutzung eines sozialen Netzwerks behindert wird. Wenn nun aber alle Einstellungen über eine einzige Option exakt gleich vorgenommen werden, sind die eigenen Daten insgesamt ungeschützter, als man das eigentlich möchte. Ich befürchte, daß das viele in Kauf nehmen werden, weil sie das Netzwerk ja nutzen wollen.

Diese Problematik läßt sich aber auch allgemeiner in der Frage zusammenfassen, ob Privatsphäreeinstellungen eher einfach sein oder eher größtmögliche Flexibilität bieten sollten. Denn auf der anderen Seite können auch zu komplexe und flexible Möglichkeiten zur Einstellung der Privatsphäre in sozialen Netzwerken dazu führen, daß unsicherere Voreinstellungen einfach übernommen werden, weil die User sich nicht die Mühe machen wollen, diese lästigen Änderungen vorzunehmen. Auch das ist nicht Sinn der Sache.

Wie aber läßt sich dieses Problem nun in den Griff bekommen?

Ein Lösungsansatz

Meiner Ansicht nach entsteht dieses Problem vor allem, weil die Betreiber sozialer Netzwerke einer ganz wesentlichen Pflicht nur ungenügend nachkommen, der Pflicht zur Transparenz. Die User wissen oftmals gar nicht genau, welche Daten wo und wozu gespeichert und verwendet werden. Das motiviert nicht gerade zu einer intensiveren Auseinandersetzung mit Privatsphäreeinstellungen.

Die Pflicht zur Transparenz besteht dabei meines Erachtens aus drei wesentlichen konkreten Verpflichtungen:

  • Betreiber sozialer Netzwerke müssen auf eine Art und Weise, die auch für Laien verständlich ist, transparent machen, welche personenbezogenen Daten an welchen Stellen des Netzwerks erhoben und weitergegeben werden.
  • Darüber hinaus müssen Betreiber in leicht verständlicher Form Möglichkeiten anbieten, die Sichtbarkeit und auch die Erhebung dieser Daten zu verhindern.
  • Last, but not least müssen Betreiber sozialer Netzwerke zwingend eine möglichst privatsphärefreundliche Voreinstellung der Privatsphäreeinstellungen vornehmen.

Ich sehe bei allen drei Punkten bei allen sozialen Netzwerken noch Defizite. Aber insbesondere beim letzten Punkt versagen die meisten sozialen Netzwerke komplett, indem sie das Gegenteil tun. Die Voreinstellungen zur Privatsphäre in den meisten großen sozialen Netzwerken sind beim Anlegen eines Accounts meist an größtmöglicher Offenheit orientiert, um das soziale Netzwerk sofort so komfortabel wie möglich benutzbar zu machen.

Das hat fatale Folgen. Denn die User sozialer Netzwerke sind in diesem Fall überhaupt nicht gezwungen, sich mit den Privatsphäreeinstellungen auseinanderzusetzen, um das soziale Netzwerk benutzen zu können. Das führt nicht selten dazu, daß sie es auch nicht tun und so möglicherweise ungewollt Daten preisgeben, die sie nicht preisgeben wollen, ohne davon überhaupt zu wissen.

Würden die Betreiber sozialer Netzwerke dagegen erst einmal alle Privatsphäreeinstellungen möglichst eng einstellen, wären die User gezwungen, sich damit auseinanderzusetzen. Nun mag man denken, daß das eine zu hohe Hürde für die Benutzung sozialer Netzwerke aufbaut. Das glaube ich nicht, vorausgesetzt, die Einstellungen sind transparent und leicht verständlich erläutert. Denn auch in anderen Fällen, etwa beim Online-Banking, werden User zunächst gezwungen, Sicherheitseinstellungen vorzunehmen, ehe sie die Anwendung benutzen können. Dort wird das jedoch nicht nur akzeptiert, sondern auch erwartet. Ich bin mir sicher, daß sich diese Einstellung auch bei sozialen Netzwerken entwickeln kann und muß.

Fazit

Letztendlich bin ich der Meinung, daß so einfache und dafür unflexible Privatsphäreeinstellungen wie von Myspace geplant nicht zielführend sind. Privatsphäreeinstellungen sollten optimalerweise schon größtmögliche Flexibilität bieten. Aber dann müssen sie auch transparent und leicht verstehbar sein, und die User müssen gezwungen sein, sich damit auseinanderzusetzen. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, ist ein verantwortungsvoller Umgang auch mit flexiblen und komplexen Privatsphäreeinstellungen durchaus möglich.

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