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Der Faktor Mensch | Teil II: Darf man soziale Netzwerke auf fremder Hardware benutzen?

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Nachdem ich mich im ersten Teil mit der Frage beschäftigt habe, welche psychologischen Mechanismen Angreifer ausnutzen, um an Zugangsdaten für soziale Netzwerke zu kommen, möchte ich mich in der zweiten Folge der Reihe "Der Faktor Mensch" im Umgang mit sozialen Netzwerken und Privatsphäre der Frage widmen, ob man sich auf fremder Hardware in soziale Netzwerke einloggen darf. "Dürfen" ist in diesem Falle nicht im rechtlichen Sinne von "verboten" oder "erlaubt" zu verstehen. Erlaubt ist das sicherlich, wenn man die Hardware nicht gesetzeswidrig verwendet. Aber ist es auch hinreichend sicher?

Es mag einige Situationen geben, in denen man in die Versuchung kommen könnte, sich auf fremder Hardware in soziale Netzwerke einzuloggen. Ich möchte vier häufige Situationen aufgreifen und deren Gefahrenpotential diskutieren:

  • Man ist grade unterwegs, hat aber kein internetfähiges Handy und möchte im Internet-Café schnell schauen, was es auf Twitter Neues gibt.
  • Im Hotel steht ein öffentlich zugänglicher Rechner und lädt dazu ein, mal eben bei LinkedIn vorbeizuschauen.
  • Man ist bei einem Freund oder Bekannten und möchte unbedingt etwas auf Facebook mitteilen.
  • Man sitzt an der Uni und möchte schauen, ob die Frage zur Hausarbeit, die man gestellt hat, schon beantwortet wurde.

Jedem sollte klar sein, daß all diese Situationen mit einem gewissen Risiko behaftet sind. Wann immer Sie fremde Hardware verwenden, um ins Internet zu gehen und sich in einen Account einzuloggen, hinterlassen Sie Spuren auf dieser Hardware, die möglicherweise Rückschlüsse auf Ihre Zugangsdaten zuläßt. Allerdings gibt es sicherlich auch gewisse Abstufungen bei der Gefährdung.

Mit einem sehr hohen Risiko behaftet sind Internet-Cafés. Dort werden oft explizit Zugänge zu sozialen Netzwerken angeboten. Die Schweizerische Kriminalprävention warnte schon 2008 davor, sich - vor allem im Ausland - in Internet-Cafés in Accounts einzuloggen. Die Rechner seien oft mit Schädlingen verseucht, die Daten aufzeichnen und weitersenden können, und hätten Keylogger installiert. Diese Software zeichnet Eingaben über die Tastatur auf. Zwar werden in Internet-Cafés in Deutschland in der Regel Daten, die beim Surfen anfallen, nach dem Ausloggen gelöscht oder gar das ganze System neuinstalliert, aber daß während des Surfens Daten wie Logins und Paßwörter aufgezeichnet werden, die in falsche Hände geraten können, ist dennoch nicht auszuschließen. Die Schweizer rieten vor allem, an öffentlichen Terminals auf Online-Banking und Online-Shopping zu verzichten. Gleiches gilt meines Erachtens für soziale Netzwerke und alle anderen Accounts. Benutzen Sie diese in Internet-Cafés nicht!

Ein ähnlich hohes Risiko sehe ich bei Rechnern in Hotels. Auch hier besteht durch die - zumindest halböffentliche - Zugänglichkeit der Rechner die erhöhte Gefahr, daß sie mit Schädlingen verseucht sind, die Ihre Zugangsdaten ausspähen. Ich persönlich vertraue Hotel-Rechnern zwar mehr, weil ich denke, daß diese besser gewartet werden als in Internet-Cafés, aber sehr sensible Daten würde ich auch in Hotel-Rechner nicht eingeben!

Bei Freunden oder Bekannten ist die Frage schon nicht mehr ganz so einfach beantwortbar. Hier stellt sich einerseits die Frage, wie sehr Sie diesen Menschen vertrauen. Aber auch hier besteht natürlich die Gefahr, daß der Rechner mit Schädlingen verseucht ist. Bei Freunden oder Bekannten, denen Sie vertrauen, sollten Sie sich daher versichern, daß der Rechner - vor allem bei Windowssystemen - mit einem aktuellen Virenscanner ausgestattet ist und auch regelmäßig überprüft wird, ehe Sie sich in ein soziales Netzwerk einloggen. Ich persönlich vertraue in diesem Fall Linuxsystemen noch eher, weil hier das Risiko aufgrund der geringen Verbreitung von Schädlingen geringer ist - wenn auch nicht gleich null! Insbesondere auf einem Linuxsystem können Sie Ihren Gastgeber auch bitten, Ihnen schnell einen neuen Account anzulegen, der nach Benutzung wieder gelöscht wird. Dann ist der Schutz noch größer.

Wie ist es nun an Universitäten? Auch hier gilt: Universitäts-Rechner sind zumindest halb öffentlich zugänglich und somit einem erhöhten Risiko ausgesetzt, Schadsoftware zu enthalten. Auf der anderen Seite werden diese Rechner meiner Erfahrung nach regelmäßig und sehr gut gewartet. Trotzdem ist auch hier eine erhöhte Vorsicht geboten. Sehr sensible Daten sollten Sie auch an solchen Rechnern nicht eingeben.

Zum Schluß noch ein Wort zu öffentlichen WLANs. Man könnte meinen, daß diese Zugänge hinreichend sicher sind. Sind sie nicht. Hier besteht insbesondere die Gefahr, daß Sie sich über das WLAN Schadsoftware einfangen, die von anderen Rechnern, die ebenfalls gerade dieses WLAN verwenden, versandt wird und die wiederum dazu führen kann, daß Ihre Accounts kompromittiert werden. Öffentliche WLANs sollten Sie daher nur unter bestimmten Vorsichtsmaßnahmen benutzen. Sorgen Sie insbesondere dafür, daß Ihr System so konfiguriert ist, daß Sie nur die Dienste aktivieren, die Sie wirklich brauchen. Das minimiert das Risiko, daß sich ein Schädling über ein WLAN bei Ihnen einschleicht. Sorgen Sie zudem - vor allem auf Windowssystemen - für einen aktuellen Virenschutz, der einen Schädling in Echtzeit erkennen und abwehren kann.

Fazit: Wie Sie gesehen haben, ist keine Benutzung sozialer Netzwerke auf fremden Rechnern und auch in fremden WLANs wirklich hinreichend sicher. Ohne Frage: Auch die eigene Hardware kann mit Schadsoftware verseucht sein, die Ihre Accountdaten ausspioniert. Aber bei Ihrer eigenen Hardware haben Sie es in der Hand, Ihr System möglichst sauber zu halten und das Restrisiko noch weiter zu minimieren. Daher gilt meines Erachtens grundsätzlich:

Sie sollten von der Benutzung fremder Rechner zum Einloggen in soziale Netzwerke Abstand nehmen und es nur tun, wenn es sich nicht vermeiden läßt. Wählen Sie dafür die sicherste erreichbare Möglichkeit!

Bei öffentlichen WLANs - und natürlich auch sonst - sollten Sie die oben genannten Vorsichtsmaßnahmen beachten. Das geringste Risiko bei der Benutzung von sozialen Netzwerken und anderen privaten Accounts von unterwegs geht man meines Erachtens ein, wenn man über ein internetfähiges Handy oder einen Mobilfunk-Surfstick ins Netz geht. Aber auch hier sind unbedingt die gleichen Vorsichtsmaßnahmen wie bei öffentlichen WLANs zu beachten.

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