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Selbsternannte „Netz-Aktivisten“ übernehmen ohne Zustimmung Facebook-Daten für „Partnerbörse“

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Einem Bericht der Financial Times Deutschland zufolge hat eine Partnerbörse personenbezogene Daten öffentlich zugänglicher Facebook-Profile ohne Zustimmung der Betroffenen übernommen. Die Gründer von "Lovely Faces" bezeichnen das als Kunst und sich selbs als "Netzaktivisten" und behaupten, daß Facebook-Mitglieder es als selbstverständlich ansehen müssen, wenn ihre Daten auch zu anderen Zwecken verwendet werden. Mittlerweile wurde die Seite vom Netz genommen. Facebook hat rechtliche Schritte gegen die Betreiber angestrengt.

Auf ihrer eigenen Website beschreiben sie ihre Motive und ihr Vorgehen. Offenbar wurden die Daten mit einer speziellen Software innerhalb Facebooks erhoben. Dagegen kann man sich kaum schützen, außer indem man sich nicht bei sozialen Netzwerken oder anderen Plattformen im Netz anmeldet. Die Verantwortlichen für die Aktion schreiben:

"The project talks about the consequences of posting sensitive personal data on social network platforms, and especially the consequences in real life. These consequences are always underestimated because we still instinctively tend to confine what we do online in the visual space of the screen. Face-to-facebook practically questions online privacy through one of the web’s most iconic platforms. And as with GWEI and Amazon Noir we're not just making a sophisticated critical action against another giant online corporation, but we are also trying to formulate a simple hack that everybody can potentially use. Everybody can steal personal data and re-contextualize it in a completely unexpected context. And that shows, once more, how fragile and potentially manipulable the online environment actually is."

(Übersetzung: "Das Projekt handelt von den Konsequenzen, die es hat, wenn man sesnsible Daten auf soziale Netzwerke postet, insbesondere von den Konsequenzen im "realen Leben". Diese Konsequenzen werden immer unterschätzt, weil wir immer noch instinktiv dazu neigen, das, was wir online tun, auf den sichtbaren Bereich des Bildschirms zu beschränken. Face-to-facebook stellt praktisch die Online-Privatsphäre auf einer der "ikonenhaftesten" Plattformen im Web in Frage. Und wie bei GWEI und Amazon Noir machen wir nicht nur eine elegante kritische Aktion gegen ein anderes riesiges Online-Unternehmen, sondern wir versuchen auch, einen simplen Hack zu präsentieren, den potentiell jeder ausführen kann. Jeder kann personenbezogene Daten stehlen und sie neu in einen völlig unerwarteten Zusammenhang setzen. Und das zeigt mal wieder, wie zerbrechlich und möglicherweise manipuliebar die Online-Umwelt tatsächlich ist.")

Das ist natürlich als Aussage für sich genommen nicht von der Hand zu weisen.

Aber: Das gibt niemandem das Recht, eine solche Aktion tatsächlich durchzuführen. Menschen müssen sich auch in sozialen präsentieren können, ohne daß ihre Daten wie selbstverständlich Allgemeingut werden. Diesen Respekt vor dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung der Betroffenen erwarte ich insbesondere von Menschen, die sich "Netzaktivisten" nennen. Es ist richtig und wichtig, auf die genannten Probleme von sozialen Netzwerken hinzuweisen. Aber dafür selbst Daten zu stehlen, kann man auf's Schärfste verurteilen.

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