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Datenschutz: Warum Twitter gefährlicher ist als Facebook

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Dieser Tage wird viel darüber berichtet, daß Twitter Drittanbietern im großen Stil Zugriff auf seine Datenbank erlauben will. Damit ist nicht nur der Zugriff auf Tweets verbunden, die für "normale" User nicht mehr verfügbar sind, weil sie zu alt sind. Käufer dieser Daten können auch auf 40 weitere Variablen wie den Zeitpunkt, den Ort, die Zeitzone und den Benutzernamen, unter denen der Tweet veröffentlich wurde, zugreifen. Eine Vereinbarung mit einem Drittanbieter besteht bereits seit November 2010, eine weitere soll jetzt folgen.

Dieses Vorgehen stößt im Netz auf Kritik, die völlig richtig ist, aber einen wesentlichen Aspekt gar nicht berücksichtigt: Twitter tut dies alles, ohne dem User die Möglichkeit zu geben, Dritten den Zugriff auf die eigenen Daten zu verwehren. Vergleicht man das mit Facebook, dessen Datenschutzgebaren oft kritisiert und nicht selten als das Böse schlechthin dargestellt wird, wo aber User die Datenweitergabe an Dritte durch Facebook über entsprechende Privatsphäreeinstellungen in der Regel verhindern können, bleibt einem nur das Fazit: Facebooks Datenschutzgebaren ist durch die oft deaktivierten, gut versteckten, aber immerhin vorhandenen Privatsphäreeinstellungen, mit denen man die Datenweitergabe durch Facebook an Dritte verhindern kann - wie etwa bei der umgehenden Personalisierung - deutlich besser. Twitter ist spätestens jetzt viel gefährlicher.

[Update vom 29. 02. 2012] Twitter erlaubt nun Drittanbietern nicht nur den Zugriff auf Daten der letzten 30 Tage, wie es bisher der Fall war, sondern auf alle Daten seit Januar 2010. Dieser erweiterte Zeitraum verschärft das Problem noch.

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13 Reaktionen zu “Datenschutz: Warum Twitter gefährlicher ist als Facebook”

  1. Emil Blume

    Man sollte sich im klaren sein, was man in den lokalen PC tippt und was man in das Internet tippt.

  2. @Schlipsnerd

    Zunächst nur eine Anmerkung: Der Link zu den 40 Variablen, die Twitter anbieten wird, scheint kaputt zu sein, ich lande dann immer auf dieser Seite.

    Ich denke aber, das du dieses Schaubild gemeint hast:

    https://www.readwriteweb.com/archives/twitter_announces_fire_hose_marketplace_up_to_10k.php

    Soweit ich das sehe, sind das dieselben Informationen, die jeder Twitter-User in seinem Account und dem jeweiligen Tweet selber erstellt und dann an Twitter zur Veröffentlichung weitergibt. Und genau das macht Twitter dann auch, den Twitter ist ein Microbloging-Dienst, und kein Grab für Daten, die keiner sehen soll.

    Das einzige, was ich als kritikwürdig ansehe, ist, das der Ersteller der Tweets nicht mehr so weit alle seine Tweets abrufen kann, wie es bei der bezahlten Schnittstelle möglich ist.

    Wo ist jetzt die Gefahr? Oder hoffst du mit Angst und Panikmache ein wenig Aufmerksamkeit zu fischen?

    Achso, ich habs noch nicht gefunden, du aber vielleicht: Weisst du wie Twitter mit gelöschten Tweets in diesem Zusammenhang vorgeht?

    Viele Grüße,

    Kai Werthwein / Schlipsnerd

  3. Alex

    @Schlipsnerd danke für den Hinweis, der URL wird korrigiert.

    Der Vorwurf, ich würde mir erhoffen, "mit Angst und Panikmache ein wenig Aufmerksamkeit zu fischen", ist schon absurd. Aber ich erklär gern, wo das Problem liegt:

    Sicher sind alle diese Daten öffentlich zugänglich, aber das geht am eigentlichen Problem vorbei, weil eine Einzelbetrachtung der einzelnen Daten zu kurz greift. Das Problem liegt in der Aggregierung riesiger Datensätze durch diese Firmen und die dadurch mögliche Verknüpfung all dieser Daten. Daraus lassen sich enorme Schlußfolgerungen ziehen, die aus einzelnen Daten nicht gezogen werden können. Im übrigen wird das auch in dem ZEIT-Artikel ausführlich diskutiert. Zitat:

    "Vielen Nutzern ist aber wohl nicht klar, was die Vernetzung vermag. Aus vielen Einzelinformationen lassen sich völlig neue Erkenntnisse ableiten – im Zweifel auch solche, die mehr über die Nutzer verraten, als ihnen lieb ist. Damit ist auch erklärt, warum der Dienst ebenso wie Google oder Facebook kostenlos ist und bleiben wird: Viele sollen kommen. Umsonst aber ist das nicht. Die Nutzer zahlen mit ihren Daten – und die sind Geld wert."

    Und in dem Artikel wird auch gleich noch ein weiteres Problem genannt: Für die Datenweitergabe wird keine Zustimmung eingeholt. Wichtig ist, daß hier auch ganz klar personenbezogene Daten wie der Twitter-Name weitergegeben werden. Zumindest nach deutschem Recht ist daher das Einholen der Zustimmung obligatorisch. Die pauschale Einverständniserklärung in den Twitter-AGB reicht nicht aus. Die besagt

    " Durch die Übermittlung, Veröffentlichung und/oder Anzeige von Inhalten in den Services räumt der Benutzer Twitter die nicht-exklusive, gebührenfreie und weltweite Erlaubnis ein (einschließlich dem Recht auf Erteilung von Unterlizenzen), diese Inhalte in sämtlichen, jetzt bekannten oder später entwickelten Medien oder Vertriebsmethoden zu benutzen, zu kopieren, zu vervielfältigen, zu verarbeiten, anzupassen, zu verändern, zu veröffentlichen und zu übertragen."

    Eine solche pauschale Einverständniserklärung, und dann auch noch für alle zukünftigen Vertriebsmethoden, ist meines Wissens unzulässig. Es müßte für jeden Fall das Einverständnis aller User eingeholt werden, optimalerweise durch ein Opt-In-Verfahren, wie es ja bei Third-Party-Applikationen bereits existiert. Dieses Opt-In-Verfahren müßte auch für die Datenweitergabe an diese Data-Mining-Firmen installiert werden.

    Ja, ich weiß, Twitter wird sich hier auf amerikanisches Recht berufen. Aber die Frage, ob bei solchen verbraucherechtlich relevanten Fragen nicht deutsches Recht angewandt werden kann, wird gerade für Facebook geklärt. Der Verbraucherzentrale Bundesverband klagt derzeit gegen Facebook wegen ähnlicher Regelungen in deren Nutzungsbedingungen, die gegen deutsche Verbraucherrechte verstoßen und Verbraucher benachteiligen. Twitter könnte es mit diesen Dingen ähnlich gehen.

    Fazit: Man sollte schon die Quellen lesen, die ich angebe, ehe man mir Panikmache unterstellt.

    Last but not least gibt es noch anderes zu beachten. Einen kompletten Twitter-Stream einer Person oder große Teile davon zu verkaufen, kann schon deswegen problematisch sein, weil dieser urheberrechtlich geschützt sein kann, s. z. B.
    http://www.rechtzweinull.de/index.php?/archives/94-Twitter-und-Recht-Sind-Tweets-urheberrechtlich-geschuetzt.html. Auch hier gilt meines Wissens, daß eine pauschale Einverständniserklärung nicht ausreicht.

    Zu den gelöschten Tweets: Die verschwinden nur aus der Timeline, bleiben aber in Twitters Datenbank und sind auch eine Weile lang noch über die Suche auffindbar. Heißt im Klartext: Man kann seine Daten nicht mal durch Löschung dem Verkauf entziehen. Das ist dreist.

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  6. Just a normal Guy

    Also hier geht es um Datenschutz, gerade was Social Networks angehen und dann gibts hier die Facebook und Twitter Buttons.

    DAS nenn ich Logik

  7. Alex

    Ja, das ist durchaus völlig logisch. Denn wenn man es richtig macht, sind Share-Funktionen, die statisch implementiert sind, völlig datenschutzkonform einsetzbar, was ich auch in der Datenschutzerklärung erläutere:

    "Verwendete Buttons: Sowohl der Facebook-Share-Button wie auch der LinkedIn- sowie der Tweet-Button sind statisch. Das bedeutet, daß Ihre Daten erst an Facebook, LinkedIn oder Twitter übermittelt werden, wenn Sie die Buttons aktiv anklicken."

    Der LinkedIn-Button ist mittlerweile ganz raus.

    Also, wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Vor dem Kommentieren bitte informieren. Danke.

  8. Diaspora

    Wer auf den Facebook-Twitter-G+- Mist verzichten kann, sollte sich einmal das Opensource-Netzwerk Diaspora anschauen. Hier sind die Daten sicher, weil das System auf 110 autarken Servern aufbaut.

    You can try:

    POd.geraspora.de

    Wk3.org

    Ilikefreedom.org

    Stylr.net

  9. Alex

    Sicher ist nun übertrieben. Kein System ist sicher. Diasporas Konzept hat aus Security-Sicht eine massive Schwachstelle, nämlich die so gepriesene Dezentralität. Jeder Hansel mit einem Mietserver kann einen Diaspora-Server aufsetzen. Da dürfte die Qualität der Absicherung höchst unterschiedlich sein. Der Vorteil daran ist natürlich, daß dann bei einem Einbruch nur ein Bruchteil der Daten betroffen ist.

    Ein zweites Problem ist leider: Bisher nutzt kaum jemand Diaspora. Deswegen ist ein Verzicht auf Facebook, Twitter und G+ derzeit schlicht nicht praktikabel, will man wirklich Leute erreichen. Es ist natürlich trotzdem kein Fehler, für Diaspora zu werben. Nur ersatzlos streichen kann man deswegen die anderen Netzwerke noch lange nicht.

    Last but not least: Als Ersatz für Twitter würde ich nicht auf Diaspora, sondern auf Identi.ca verweisen.

  10. Anonymous

    Hey Leute,
    danke das ihr so viel zum Thema Sicherheit im Internet schreibt! Es hat mir sehr geholfen ... ich suche nach wie vor noch ein bisschen lesestoff zu twitter und facebook! Falls ihr nachhelfen könnt nur zu, ich kann jede Hilfe gebrauchen!

    Alles Liebe und gute Beiträge
    (Lg)
    Anonymo 🙂

  11. Alex

    Vielen Dank für das Lob. 🙂 Hier schreibt übrigens nur ein Leut, wenn es nicht grade mal einen Gastbeitrag gibt, was zwar geplant, aber noch nicht umgesetzt ist. 😉

    Worum soll es denn bei dem Lesestoff konkret gehen? Um Sicherheit und Datenschutz oder eher um allgemeine Fragen? Zum Ersten findet man hier schon recht viel.

  12. Jochen

    Kann mir jemand erklären, warum twitter.com bei so gut wie jeder Internetseite einen 'Zugriff' haben will?
    Sprich: Ich verwende NoScript und kann das starten eines scripts erlauben, wenn ich vollen Zugang auf die entsprechende Seite haben will.Z.b. muss ich bei ebay, die seite ebay.com an sich und ebaystatistic zulassen, wenn die Icons/Befehle dort funktionieren sollen.
    Twitter.com taucht bei so gut wie jeder(!)Internetseite auf, um eine Erlaubnis 'zu erhalten'.

  13. Alex

    Das dürfte nicht an Twitter selbst liegen. Haben Sie mal drauf geachtet, ob die jeweiligen Seiten Twitter-Buttons haben?

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