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Zuckerberg will Facebook für Kinder unter 13 öffnen – eine kritische Betrachtung

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Wie CNN berichtet, möchte Mark Zuckerberg die Altersbeschränkung, nach der sich Kinder erst ab 13 Jahren in Facebook registrieren können, abschaffen. Bisher verhindern US-Gesetze dies, weil die Erhebung von Daten von Kindern unter 13 Jahren nicht erlaubt ist. Zuckerberg fordert nun, diese Gesetze zu ändern.

Zuckerberg begründet diesen Schritt damit, daß Facebook und andere soziale Netzwerke zu Bildungszwecken eingesetzt werden könnten. Damit liegt er sicher nicht falsch. Dennoch ist das kein Grund, Facebook für noch jüngere User zu öffnen. Vielmehr sprechen gewichtige Gründe dagegen.

Der Hauptgrund ist meines Erachtens die Datensammelwut von Facebook. Schon für Kinder ab 13 Jahren ist das soziale Netzwerk daher aus meiner Sicht nicht geeignet. Datenschutzbestimmungen für Kinder, die etwa die Fülle der erhobenen Daten einschränkt oder deren Weitergabe zu Werbezwecken komplett verbietet, gibt es nicht. Auch wenn Zuckerberg in Aussicht stellt "viele Vorkehrungen" treffen zu wollen, damit Kinder auf Facebook sicher sind, ist Skepsis angebracht, denn diese Vorkehrungen existieren derzeit für Kinder ab 13 Jahren auch nicht. Der Frage, warum das jetzt schon nicht der Fall ist und warum man auf einmal glauben sollte, daß das bei jüngeren Kindern anders sein sollte, muß sich Zuckerberg ernsthaft stellen.

Zuckerberg verkennt zudem, daß es schon seit den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts kollaborative Systeme für den Schulunterricht gibt. Natürlich war diese Software nicht mit den heutigen sozialen Netzwerken vergleichbar, ermöglichte aber damals schon kollaboratives und soziales Lernen. All die Dinge, von denen Zuckerberg also behauptet, man hätte noch gar nicht damit begonnen, gibt es also schon längst. Mittlerweile gibt es auch spezielle soziale Netzwerke, die für Kinder geeignet sind. Sicherlich ist es nicht falsch, soziale Netzwerke mehr in pädagogische Maßnahmen mit einzubeziehen. Aber diese Aufgabe sollte von Schulen und Bildungseinrichtungen übernommen werden und nicht von Facebook. Voraussetzung sind strengste Datenschutzrichtlinien. Diese kann ein für alle Welt offenes soziales Netzwerk gar nicht erfüllen, und eine Datenkrake wie Facebook, die mit den Daten der User Geld verdient, schon gar nicht. Ein soziales Netzwerk für Kinder darf daher auch keine finanziellen Interessen verfolgen.

Meiner Ansicht nach sollte die Entwicklung öffentlicher sozialer Netzwerke daher eher in eine restriktivere Richtung gehen, etwa indem strengere Datenschutzrichtlinien für nicht volljährige Mitglieder eingeführt werden müssen, anstatt noch jüngeren Kindern den Zugang zu Facebook zu erlauben. Wie ist Ihre Meinung dazu? Sollte Facebook für Kinder unter 13 zugänglich sein, oder nicht? Oder sollten die Regelungen für nicht volljährige User vielmehr verschärft werden?

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10 Reaktionen zu “Zuckerberg will Facebook für Kinder unter 13 öffnen – eine kritische Betrachtung”

  1. Ruth

    Meiner Meinung nach sollte es bei 13 Jahren bleiben .

  2. Dolphin Secure

    Naja das Ganze ist wohl einer eine Notlösung von Facebook. Nachdem nun eine Studie ergab, dass 7,5 Millionen Facebook User in den USA unter 13 Jahren sind, musste Facebook handeln. Und sie lassen es nun so aussehen als wären die Gesetzte schlichtweg veraltet.

    Anstatt Facebook nun an seinen Sicherheitsmechanismen arbeitet und diese optimiert, spielen sie den Ball einfach an die US-Regierung zurück und fordern, dass die Gesetze zum Datenschutz von Kindern angepasst werden sollen. Ob das der richtige Weg ist? Schwierig...

  3. Alex

    Das ist sicher nicht der richtige Weg. Ich hoffe, daß Facebook (und andere) in den USA gezwungen wird, stattdessen eine brauchbare Altersverifikation einzuführen. Denn ohne diesen Zwang ist so eine Regelung ohnehin sinnfrei, weil sich dann ein Anbieter immer rausreden kann.

  4. Gregory Grund

    Altersverfikation ist auch zweischneidig, insbesondere wenn sie verpflichtend ist. Altersverfikation bedeutet dann wohl die komplette Identifizierung bei FB, keine Decknamen und Fake-Profile mehr?
    Und der jeweilige Betreiber hätte, wenn nicht nur das Geburtsdatum verifiziert werden muss, eben auch diese Information mit dem wertvollen Tag "geprüft"...
    Oder mach ich da einen Denkfehler und es gibt "elegante" Lösungen?

  5. Alex

    Nein, es gibt Verfahren zur anonymen Altersverifikation. Das Verfahren, das ich mir vorstellen kann, gibt es wahrscheinlich nicht, aber das wäre hier sogar sehr leicht. Nehmen wir an, es gibt eine zentrale staatliche Datenbank Ü13. Dort steht nichts drin außer einem Code für die Altersverifikation, den auch der Staat nach Vergabe so keiner Person mehr zuordnen kann. Jeder Mensch bekommt nun so einen einzigartigen Code. Onlineanbieter bekommen Zugriff auf diese Datenbank und können anonym den Code, den der User zur Altersverifikation angeben muß, damit abgleichen. Ein Mißbrauch durch Weitergabe ist in dem Fall auch ausgeschlossen, weil der Code einmalig ist und für denselben Anbieter nicht doppelt verwendet werden darf.
    Aber Facebook hat ja ohnehin eine Realnamenspflicht. Daß die in Deutschland nicht gilt, ist eine andere Debatte. Und wenn es in den USA eine solche gesetzliche Altersgrenze gibt, muß dem Anbieter auch auferlegt werden, sie angemessen zu prüfen. Sonst ist sie sinnfrei.

  6. Dolphin Secure

    Aber da die Regierung ja sicherlich auch keine anonymen Fake-Profile haben möchte, wird sie diese Variante nicht umsetzen lassen. Ich denke es wird alles auf eine Online-ID hinauslaufen, ob nun mit ePerso oder mit etwas anderem. Dann gibts keine Fake-Profile, keine Anonymität und keine Erwachsenen, die sich unter falschem Namen an Kinder heran machen. Im "echten" Leben gibst du doch auch deinen richtigen Namen an, dann also auch im Internet.

  7. Alex

    Ich kann nicht für die US-Regierung sprechen, aber für Deutschland halte ich sowas für Panikmache. Die Bundesregierung wird wohl schwerlich das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung kippen können. § 13 Telemediengesetz, in dem die Möglichkeit zur anonymen oder pseudonymen Nutzung von Diensten vorgeschrieben ist, existiert auch noch. Und last but not least sind auch mit dem ePerso anonyme Altersverifikationen möglich. Und auch in deiner letzten Bemerkung irrst du: Offline (das Internet ist natürlich ein Teil des echten Lebens, deswegen mag ich die Unterscheidung nicht) gebe ich für die allermeisten Aktivitäten, z. B. Kneipenbesuche, Barkäufe im Supermarkt, die meisten Freizeitaktivitäten etc. pp. gar keinen Namen an! Ich kann also weite Teile meines Offline-Lebens anonym leben. Selbst für viele Internetdienste wie IRC und anderes kann ich zumindest pseudonym bleiben. Bloß im Web bricht die große Panik aus, wenn jemand sein Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung wahrnimmt. Völlig unverständlich.

  8. Dolphin Secure

    Den §13 kannte ich gar nicht. Danke für die Aufklärung. Dann schauen wir mal, wie sich das Ganze entwickeln wird.

  9. Anonymous

    ähm wir müssen unter dieser Grundthese kontra oder pro thesen stellen und ich ,als eher etwas unwissend zu diesem thema,wollte frsagen ob mir jmd eine gute erkläärung sagen könnte . ich finde facebook ist ja nie sicher oder auch andere Netzwerke, wie könnte man denn dabei vorgehen???

  10. Alex

    Das ganze Internet ist nicht "sicher". So, wie das ganze Leben übrigens. Es kommt auf den Umgang damit an. Und Kinder müssen den erst lernen. Daher sind kindgerechte Netzwerke für Kinder geeigneter als Facebook.

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