Privatsphäre und Datenschutz im Web 2.0

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Warum wir uns über schlechten Datenschutz in sozialen Netzwerken eigentlich nicht beschweren dürfen

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Derzeit schießen wieder die Gerüchte ins Kraut, daß Facebook bald kostenpflichtig wird. Die Empörung ist groß, die Gerüchte sind ohne Frage überwiegend Unsinn. Allerdings ist die Überlegung, zumindest einige Zusatzfunktionen oder gar das gesamte Netzwerk kostenpflichtig zu machen, auch aus Sicht des Datenschutzes und der Privatsphäre gar nicht so abwegig. Ich sehe darin erhebliche Vorzüge.

So würde eine kleine Gebühr für die Nutzung eines sozialen Netzwerks dazu führen, daß Anbieter nicht mehr zu hundert Prozent oder gar gar nicht mehr auf Werbeeinnahmen angewiesen wären, für die man für die besonders effektive personalisierte Werbung wiederum möglichst viele Daten der User braucht. Facebook etwa könnte, vorausgesetzt, das gesamte Netzwerk würde pro User nur 1 Euro im Monat kosten, bei derzeit 750 Millionen Usern ganz ohne Werbung einen Umsatz von satten 9 Milliarden Euro im Jahr machen. Das wäre ein Vielfaches des Umsatzes von 2010, der lediglich 1.86 Milliarden Dollar betrug.

Warum aber hat Facebook das nicht von Anfang an gemacht? Weil es nicht funktioniert hätte. Schuld daran sind die User, genauer: die im Netz vorherrschende Gratis-Mentalität. Kostenpflichtige Dienste konnten sich nie richtig durchsetzen, weil User noch nie wirklich bereit waren, auch nur geringe Beträge für Dienste zu bezahlen. Diese Gratis-Mentalität wirkt sich natürlich auch auf das Geschäftsmodell sozialer Netzwerke aus. So müssen die Anbieter zwangsläufig Geschäftsmodelle entwickeln, die Rücksicht auf die fehlende Bereitschaft, für einen Dienst zu bezahlen, nehmen, aber gleichzeitig Umsätze generieren können. Dies geht eigentlich nur mittels Werbung, und um diese besonders effektiv zu gestalten, braucht der Anbieter personenbezogene Daten.

Somit müssen wir, die Benutzer sozialer Netzwerke, die wir uns oft lautstark über mangelnden Datenschutz und die fehlende Privatsphäre bei diesen Angeboten beschweren, uns einmal ernsthaft fragen, ob wir diese Entwicklung mit unserer Gratis-Mentalität und unseren Ansprüchen nicht selbst befördert haben. Man kann nicht auf der einen Seite wie die Lemminge zu derartigen Angeboten rennen und es auf der anderen Seite beklagen, daß die Anbieter ihr Geschäftsmodell umsetzen, das man mit der eigenen Anmeldung befördert hat, wenn man nicht gleichzeitig bereit ist, ein anderes Geschäftsmodell zuzulassen. Diensteanbieter im Web sind nicht die Wohlfahrt, und man kann nicht von Ihnen erwarten, ihre Dienste aus reiner Menschenfreundlichkeit anzubieten. Wenn sie damit Geld verdienen wollen, ist das legitim. Und wenn wir die Annehmlichkeiten ihres Angebots nutzen, aber gleichzeitig nicht wollen, daß sie das - im gesetzlich vorgegebenen Rahmen natürlich - mit unseren Daten tun, müssen auch wir User uns alternativen Geschäftsmodellen öffnen und bereit sein, selbst für die Dienstleistungen zu zahlen. Ohne diese Bereitschaft dürfen wir uns über schlechten Datenschutz in sozialen Netzwerken eigentlich nur dann beschweren, wenn die Anbieter gesetzliche Vorschriften mißachten. Jegliche darüber hinaus gehende Kritik am Datenschutzgebaren der Betreiber ist ohne die Bereitschaft der User, alternative Geschäftsmodelle zuzulassen, eigentlich völlig unangebracht. Darüber sollten wir alle einmal nachdenken.

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