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Warum Datenschutzbehörden Zugriff auf den Code sozialer Netzwerke haben müssen

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Meiner Ansicht nach ist ein wesentlicher Faktor bei der Intransparenz bezüglich der Erhebung und Verarbeitung von Daten in sozialen Netzwerken, der aber bisher kaum Beachtung findet, die Tatsache, daß deren Code in aller Regel nicht offenliegt. Zwar läßt sich mit etwas Aufwand herausfinden, welche Daten übertragen werden. Aber letztlich weiß niemand, welche Prozesse im Hintergrund ablaufen und wie ein Netzwerk Daten verarbeitet. Insbesondere wie Datensätze miteinander verknüpft werden, bleibt völlig intransparent und kann nur aus eventuell sichtbaren Folgen dieser Verknüpfungen, und auch manchmal nur zufällig, erschlossen werden. Dabei sind es insbesondere diese Verknüpfungen, die meines Erachtens die größte Gefahr für den Datenschutz und die Privatsphäre darstellen, weil daraus weitgehende Schlüsse über soziale Beziehungen und Lebensgewohnheiten von Menschen gezogen werden können. Im Folgenden habe ich mir ein paar Gedanken gemacht, wie man an dieser Stelle mehr Transparenz herstellen könnte.

Die optimale Lösung für dieses Problem aus Sicht der User wäre natürlich, den Code sozialer Netzwerke offenzulegen, wie es beispielsweise Diaspora macht. Insbesondere Algorithmen, die es ermöglichen, aus vorhandenen Daten weitergehende Schlüsse über Personen zu ziehen, sollten unbedingt transparent gemacht werden. Diese Forderung dürfte in der Praxis jedoch kaum durchsetzbar sein, wenn das Netzwerk kommerzielle Ziele verfolgt. Eine generelle Offenlegung des Codes ist also kein gangbarer Weg, auch wenn ich das für wünschenswert halten würde.

Jedoch kann und darf auch das Bedürfnis der User, zu wissen, was mit ihren Daten passiert, nicht völlig ignoriert werden. Meines Erachtens braucht es daher eine gesetzliche Regelung, um sicherzustellen, daß ein Minimum an Transparenz hergestellt werden kann. Wenn schon nicht jeder den Code einsehen darf, so müssen doch zumindest Datenschutzbehörden darauf Zugriff bekommen. Die Betreiber sozialer Netzwerke und anderer Dienste, die mit einer Vielzahl von Userdaten arbeiten - etwa ab 1000 Usern - müssen verpflichtet werden, den Code vor Inbetriebnahme des Dienstes und bei jeder für die Privatsphäre wesentlichen Änderung von Datenschutzbehörden auf Unbedenklichkeit prüfen zu lassen, damit zumindest gesetzliche Mindeststandards eingehalten werden. Datenschutzbehörden müssen zudem das Recht bekommen, unangekündigte Überprüfungen des Codes vornehmen zu können. Nur auf diesem Wege kann man in meinen Augen ein wenig mehr Transparenz in die Abläufe von sozialen Netzwerken bringen und sicherstellen, daß Daten nur im gesetzlich zulässigen Rahmen verarbeitet werden.

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