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Facebook krempelt die Privatsphäreeinstellungen um

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Facebook hat heute weitreichende Änderungen in den Privatsphäreeinstellungen angekündigt, die - wahrscheinlich zunächst in der englischen Version - in den nächsten Tagen ausgerollt werden sollen. Ich möchte diese Änderungen an dieser Stelle kurz umreißen und eine Bewertung anschließen, welche Verbesserungen - oder Verschlechterungen - sich für die Privatsphäre auf Facebook ergeben.

Viele der Änderungen betreffen Profile. So soll ist es zukünftig nicht mehr möglich sein, Inhalte im Profil zentral über die Privatsphäreeinstellungen zu verwalten. Stattdessen soll es für alle Inhalte im Profil individuelle Privatsphäreeinstellungen direkt im Profil geben.

Zudem will Facebook es ermöglichen, daß man vor dem Erscheinen entscheiden kann, ob Fotos oder Beiträge, in denen man getagt wird, im eigenen Profil erscheinen.

Der dritte Punkt, der sich ändert, ist, daß es nicht mehr möglich sein wird, daß andere User Fotos im Profil des Users, der die Fotos hochgeladen hat, einfach mit Tags versehen können. Stattdessen kann derjenige, zu dessen Profil die Fotos gehören, die Tags zukünftig genehmigen oder ablehnen, ehe sie erscheinen.

Eine wichtige und hilfreiche Änderung besteht zudem darin, das eigene Profil aus der Sicht von anderen anzeigen zu lassen. Das ging zwar schon immer, wird aber erheblich vereinfacht.

Der zweite Komplex, in dem es umfangreiche Änderungen gibt, ist das Teilen von Inhalten. Die Darstellung der Auswahl, mit wem man ein Posting teilen möchte, wird erheblich verbessert werden. Zur Auswahl stehen "Öffentlich", "Freunde" und "Custom". Die Einstellungsmöglichkeiten erweitert sich im Laufe der Zeit, etwa um Freundeslisten. Für mobile Anwendungen, die dieses Feature noch nicht unterstützen, wird es neue Privatsphäreeinstellungen geben, um diese Einstellung vorzunehmen. Eine sehr begrüßenswerte Änderung besteht zudem darin, daß man zukünftig auch nach dem Abschicken eines Beitrags Änderungen an der Sichtbarkeit vornehmen kann.

Eine weitere wesentliche Modifikation besteht darin, daß man zukünftig auch User, die keine Facebook-Freunde sind, in Fotos taggen und in Beiträgen per (@)mention markieren kann. Das Gleiche gilt für Seiten, die einem nicht gefallen. Das war bisher nicht möglich. Das Foto und Die (@)mention erscheinen dabei nicht im Profil der erwähnten Person, wenn sie sie nicht explizit freigibt.

Die Möglichkeit, Orte von beliebigen Geräten aus zu erstellen, ist eine weitere Neuerung, die aber aus Sicht der Privatsphäre meines Erachtens nicht sonderlich relevant ist. Bisher war das nur von Mobiltelefonen aus möglich.

Last but not least werden die Möglichkeiten, Tags oder Inhalte aus Facebook zu entfernen, deutlicher dargestellt. Wenn beispielsweise jemand eine andere Person in einem Foto tagt, hat diese Person die Möglichkeit, den Tag zu entfernen, die Person, die das Foto hochgeladen hat, zu bitten, dieses zu entfernen, oder diese Person zu blockieren. Insbesondere die Möglichkeit, den Tag komplett entfernen zu können, ist sehr zu begrüßen.

Alles in allem sind diese Änderungen zu begrüßen. Wie sie im Detail aussehen, bleibt abzuwarten, aber insbesondere die feineren Auswahlmöglichkeiten, mit wem man Inhalte im Profil und generell teilen möchte, sind ein großer Fortschritt hin zu einer besseren Privatsphäre auf Facebook. Wünschenswert wäre allenfalls noch eine Funktion gewesen, die es ermöglicht, immer entscheiden zu können, ob man Tags in Fotos zulassen möchte oder nicht.

Deutlich spürbar bei diesen Änderungen ist meines Erachtens der Einfluß von Google+, das von Anfang an feinere Einstellungsmöglichkeiten beim Teilen von Inhalten hatte. Ich denke, die Verbesserungen, die Google+ an diesem Punkt eingeführt haben, haben Facebook unter Druck gesetzt, einige Punkte ebenfalls zu verbessern, um auch im Bereich Privatsphäreeinstellungen konkurrenzfähig zu bleiben. Es wäre begrüßenswert, wenn dieser Wettbewerb bezüglich Privatsphäreeeinstellungen auch zukünftig eine Rolle spielen würde, denn das kann zu spürbaren Verbesserungen führen, wie man an diesem Beispiel sieht.

[Update vom 29.08.2011]: Mittlerweile sind auch die Privatsphäreeinstellungen selbst stark verändert worden. Eine gute Zusammenfassung über die Änderungen finden Sie im Blog von schwindt-pr.

Eine sehr negative Änderung hat sich dann doch noch ergeben. Offenbar können Markierungen der eigenen Person in fremden Beiträgen nicht mehr entfernt werden. Da nun beliebige Personen in den Beiträgen markiert werden können und nicht nur Freunde, birgt das ein riesiges Mißbrauchspotential. An diesem Punkt hat sich die Privatsphäre von Facebook deutlich verschlechtert!

Das Entfernen von Markierungen der eigenen Person in fremden Beiträgen ist entgegen erster Befürchtungen weiterhin möglich, allerdings ist die Funktion schwerer zu finden. So soll es möglich sein, die Markierung im Beitrag der markierenden Person auf deren Pinnwand zu entfernen. Unklar ist jedoch, was passiert, wenn diese Pinnwand aufgrund von Privatsphäreeinstellungen nicht zugänglich ist.

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