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Die neue Facebook-Timeline ist für den Datenschutz gar nicht so schlecht

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Derzeit wird viel über Facebooks neues Nutzer-Profil, Timeline genannt, geschimpft. Facebooks Ankündigung, die Timeline "zum kompletten digitalen Lebensarchiv" machen zu wollen, sorgt für viel Empörung. Aber warum eigentlich? Mir erschließt sich die Kritik überhaupt nicht.

Tatsache ist ja: In der Timeline wird nichts veröffentlicht, was nicht schon da ist. Es handelt sich um Daten, die die User im Laufe der Zeit bewußt hochgeladen haben. Ohne Frage werden diese ganzen Daten jetzt auf einmal sichtbar, was manchen schockieren mag. Aber an sich ist das nicht schlecht. Vielmehr bringt die Timeline gegenüber dem alten Profil eine erhebliche Verbesserung mit sich. Die User haben wieder die Kontrolle über alte Daten, die zuvor zwar noch auf Facebooks Servern gespeichert, dem Zugriff der User aber quasi entzogen waren. Diese Daten können sie nun löschen oder den Zugriff darauf beliebig einschränken. Was daran negativ sein soll, ist mir nicht ersichtlich.

Tatsache ist nämlich ebenso: Es wird doch überhaupt niemand gezwungen, Facebook zukünftig als "komplettes digitales Lebensarchiv" zu nutzen. Facebook möchte das vielleicht. Aber letztlich entscheidet immer noch der User, welche Informationen er von sich preisgibt. Im Umgang mit der Timeline ist also Medienkompetenz und Hirn einschalten seitens der User gefragt und nicht tumbes Facebook-Bashing. Ich habe ja die Hoffnung, daß manch einer ob der neuen umfassenden Visualisierung seiner Daten in der Timeline vielleicht sogar endlich ein Gespür dafür entwickelt, was er alles von sich offenbart, und anfängt, sorgfältiger auszuwählen, was er veröffentlichen möchte und was nicht.

Update vom 27. 01. 2012: Mittlerweile werden auf Anti-Timeline-Seiten auf Facebook jede Menge Gerüchte über die Timeline verbreitet, die falsch sind. So wird behauptet, daß nun mit der Timeline alle alten Beiträge öffentlich sichtbar seien. Dies stimmt nur und ausschließlich, wenn diese alten Beiträge schon immer öffentlich sichtbar waren! Grundsätzlich werden die bisherigen Privatsphäreeinstellungen übernommen! Zudem kann man alle alten Beiträge auf einen Schlag in der Sichtbarkeit einschränken. Daher gilt: In Bezug auf die Timeline besteht kein Grund zur Panik. Es wird dadurch nichts öffentlich, was Sie nicht vorher schon bewußt öffentlich gemacht haben!

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13 Reaktionen zu “Die neue Facebook-Timeline ist für den Datenschutz gar nicht so schlecht”

  1. Achisto

    Naja, die Timeline und die Möglichkeiten dadurch, einfach alles zu bearbeiten und zu löschen ist richtig gut gelöst und sieht auch gut aus. Aber der "Newsticker" oben rechts ist unschön und vor allem, dass man von jeder Person (und jede Person von einem) sehen kann, was geliked, kommentiert usw. wird, auch wenn das bei völlig fremden Personen passiert. Das ist einerseits nervig, andererseits auch sehr unschön, hat man seine Einstellungen nicht auf Listen beschränkt! 😉

  2. Alex

    Daß nun jeder von jedem den Ticker sehen kann, ist doch gar nicht so. Das ist nur eines der vielen Gerüchte, die im Moment im Umlauf sind. Siehe dazu http://blog.schwindt-pr.com/2011/09/27/facebook-geruechte/. Ich bin ja schon streng mit Facebook, aber im Moment wird auch viel Unsinn verbreitet.

  3. Achisto

    Deshalb habe ich ja am Ende geschrieben "hat man seine Einstellungen nicht auf Listen beschränkt". Alles was öffentlich und/oder für Freunde von Freunden freigegeben ist, ist ganz schnell im Newsticker von Fremden. Klar, da ist man selbst schuld, aber wer weiß das schon, vorher war es ja nie "so einfach".

  4. Alex

    Es müssen keine Listen sein. Die Standardeinstellung Freunde reicht. Es ist jetzt leichter sichtbar, aber prinzipiell ist das bei falschen Einstellungen immer schon sichtbar gewesen. Das kann man Facebook nun wirklich nicht vorwerfen. Etwas Medienkompetenz muß man schon mitbringen!

  5. Achisto

    Mein Beitrag enthält ja genau das, nämlich dass alles, was öffentlicher als "Freunde" ist, angezeigt werden kann.
    Medienkompetenz braucht man nur bedingt, es reicht, wenn man sich darüber im Klaren ist, was welche Einstellung bewirkt.
    Ich bemängele ja gar nicht die neue Funktion an sich sondern die Art, wie sie sich in den Vordergrund drängt und die mühselige Art, sie wieder "zu deaktivieren", indem man für jeden Freund die Einstellungen ändert, was man angezeigt haben möchte. Klar, es kann durchaus nützlich sein, aber nur für Bestimmte und nicht Alle!

  6. Frank Herberg

    Ich seh das ganz genauso und verstehe die Aufregung um FB dieses mal nicht. Und es kann heilsam sein, wenn man sieht, was über einen alles an Infos aufbewahrt und ggf. veröffentlicht oder aber sonstwie genutzt wird. Einfach Infos sehr überlegt zur Verfügung stellen und sein eigener Datenschützer werden, das ist für mich die Devise.

    Gruss Frank

  7. Alex

    ja, genau. Allerdings reicht das bei sozialen Netzwerken nicht mehr, s. https://www.datenschutzberatung.org/2011/10/01/warum-es-nicht-mehr-reicht-bewust-mit-den-eigenen-daten-umzugehen/

  8. Alexandra Steiner

    Das ist halt das Problem viele FB-Nutzer, dass sie das Gefühl haben, durch FB entmündigt zu werden. Fakt ist, FB entmündigt sie gar nicht. FB ist ein Unternehmen, das Gewinne erzielen will und das mit allen (erlaubten oder manchmal auch nicht erlaubten) Mittel. Das ist aber auch so eine Tatsache, die FB-Nutzer nicht wahrhaben wollen.

    Ist das ein FB-Problem oder ein Nutzer-Problem? Ich predige meinen Schülern immer wieder, dass jeder FB-Nutzer allein für seine Informationen, Geschreibsl und Kommentare verantwortlich ist. Wer dieser Verantwortung nicht nachkommen kann oder will, muss zum einem mit den Konsequenzen rechnen und zum anderen wird wenig Spaß auf FB haben.

    Allein die Tatsache, dass die Nutzer oftmals wahllos Leute in ihre Freundelisten stecken. Niemand von denen würde Fremde ins Wohnzimmer lassen. Medienkompetenz wird da leider nicht reichen, um das Bewusstsein der Nutzer zu schärfen. Es ist eher die soziale Kompetenz, die bei Vielen fehlt. Und mangelnde soziale Kompetenzen ist ein gesellschaftliches Problem - und wie so oft KEIN Facebook-Problem.

    BTW: Interessanter und knackiger Artikel. Hab ihn eh schon empfohlen.

  9. Alex

    Wie schon bei dir auf der Pinnwand kommentiert: Du darfst meine Aussagen über die Timeline nicht auf ganz Facebook verallgemeinern. Denn doch, es gibt genügend Beispiele, an denen man zeigen kann, daß Facebook seine User und sogar Nichtmitglieder entmündigt. Denn nicht nur der User selbst kann Informationen über sich hochladen, sondern auch andere User können das. Das kann z. B. ein Bild sein, auf dem man abgebildet ist. Mir sind leider genügend Fälle bekannt, in denen User peinliche Partyfotos anderer User ungefragt hochladen und öffentlich machen. Das geht nicht und stellt eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte des Abgebildeten dar. Wenn ich nun nicht möchte, daß ein Bild, auf dem ich abgebildet bin, von einem anderen User hochgeladen wird, habe ich ein Problem. Facebook gibt mir keine Möglichkeit, dieses Bild wieder komplett aus Facebook zu entfernen. Ich bin ausschließlich auf das Wohlwollen desjenigen angewiesen, der das Foto hochgeladen hat. Noch schlimmer ist es, wenn Nichtmitglieder betroffen sind. Die haben gar keine Kontrolle über ihre Daten. An diesen Punkten wird Facebook seiner Verantwortung überhaupt nicht gerecht. Die Auswirkungen solcher Dinge habe ich in einem anderen Artikel beschrieben, s. hier.

  10. Alexandra Steiner

    Warum stellt jemand peinliche Partybilder online. Da sollte man vielleicht mal zu fragen beginnen. Kein Mensch zeigt auf offener Straße wildfremden Leuten Bilder von Leuten, die man nicht kennt? Vielleicht liegt genau da der Hund begraben?

    Und warum gebe ich einer Plattform die Zugangsdaten meines E-Mail-Kontos? Facebook stellt die Tools zu Verfügung, das aber nicht bedeutet, diese auch in ihrer Art zu verwenden.

  11. Alex

    Ja, da liegt der Hund begraben. Das ändert aber nix an der Tatsache, daß mittlerweile Fremde teilweise über das mitbestimmen, was über mich in sozialen Netzwerken zu finden ist. Im übrigen gibt es dieses Phänomen offline sehr wohl. Bei Jugendlichen ist es durchaus üblich, solche Sachen auf dem Handy beliebig rumzuzeigen, beispielsweise in der Schule.

    Warum gebe ich Facebook die Zugangsdaten zu meinem E-Mail-Konto? Weil mir Facebook in dem Fall vorgaukelt, daß es sich um eine simple Adreßbuch-Funktion handelt. Zumindest lange Zeit hat Facebook doch überhaupt nicht darüber aufgeklärt, was es mit den Adressen und anderen Daten von Nichtmitgliedern macht und daß das viel mehr ist als eine Adreßbuchfunktion. Daher kann man Facebook da mitnichten eine Absolution ausstellen. Es stimmt, es stellt die Tools zur Verfügung. Aber es macht nicht mal annähernd ausreichend transparent, was es mit den Daten macht, die die Tools generieren. Daher ist Facebook in diesem Punkt sehr wohl in der Verantwortung.

  12. ums

    Ja, es ist richtig...früher kreiselten die Kommentare überall in FB... Doch nun ist es so, dass NICHTfreunde auf meiner Chronik GESAMMELT alle meine öffentlichen Daten sehen können. Da ich selbst aber meine ganze Chronik seh (mit vielen, vielen Eingaben), weiß ich selber nicht was ein Nichtfreund nun von mir alles gesammelt auf einen Schlag von mir findet! Ich muss also einen NICHTfreund finden, der mir Bildschirmausdrucke von seinen Ansichten schickt, damit ich gezielt löschen kann. Außerdem sind ALLE Titelbilder für JEDEN sichtbar, auch wenn Fotos nur für Freunde zugelassen sind. Das sagt einem niemand, weil man davon ausgeht, dass ein Fremder beim Suchen nur eine gesperrte Pinnwand vorfindet wie früher. Auch öffentliche Beiträge dürften nicht SOOOOOO auf einer für ALLE sichtbaren Pinnwand- Chronik gezeigt werden. das ist übel.

  13. Alex

    Liebe(r) ums, das ist bis auf einen Punkt alles grottenfalsch!

    Im alten Profil konnte man auch schon all Ihre öffentlichen Daten sehen. Manches war höchstens noch ein Klick weiter entfernt. Nochmal: Sie entscheiden, was öffentlich ist und was nicht! Wenn Sie ein Problem damit haben, daß Ihre öffentlichen Daten und Beiträge einsehbar sind, dann ändern Sie deren Privatsphäreeinstellungen, oder melden Sie sich bei Facebook ab, und gut ist! Was daran übel sein soll, daß man die Daten, die Sie bewußt öffentlich gemacht haben, einsehen kann und nun eben etwas kompakter vor sich hat, erschließt sich mir nicht. Nochmal: Wenn Sie nicht zu dem stehen können, was Sie öffentlich gemacht haben, dann ändern Sie die Privatsphäreeinstellungen, löschen Sie die Beiträge oder löschen Sie am besten gleich Ihren Account!

    Und Sie müssen selbstverständlich auch keinen Nichtfreund bitten, Ihnen Bildschirmausdrucke zu schicken. Dafür reicht die Ansicht der Privatsphäreeinstellungen des jeweiligen Beitrags! Wenn Sie wollen, können Sie sogar auf einen Schlag die Privatsphäreeinstellungen aller alten Beiträge von öffentlich auf nur für Freunde sichtbar ändern!

    Der einzige Punkt, bei dem Sie recht haben, ist, daß das Cover für jeden sichtbar ist. So what? Sie müssen keines wählen.

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