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Sind Facebooks neue „Social Apps“ und „Frictionless Sharing“ wirklich ein Privatsphäre-Problem?

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Dieser Tage wird viel über Facebooks neue "Social Apps" und das "Frictionless Sharing" diskutiert. In Deutschland stehen Apps, die diese Möglichkeit bieten, noch nicht zur Verfügung, weil die Dienste, die solche Apps bisher eingeführt haben, nicht in Deutschland verfügbar sind. Aber in den USA bieten einige Unternehmen bereits Social Apps mit Frictionless Sharing an, was zu erheblichem Unmut bei den Usern geführt hat, weil die User überrascht sind, daß die jeweiligen Apps Informationen ohne ihr Zutun teilen. Robert Scoble faßt die Debatte um Frictionless Sharing in einem kritischen Artikel gut zusammen. Aber worum geht es genau? Und ist das wirklich ein Privatsphäre-Problem?

Eigentlich ist es ganz einfach: Frictionless Sharing in Social Apps ermöglicht es Facebook-Usern, auf Facebook mitzuteilen, welchen Artikel sie gerade lesen oder welchen Musiktitel sie gerade hören. Dies geschieht ohne weiteres Zutun des Users. Dazu muß in Facebook eine Anwendung hinzugefügt werden. Beispielsweise gibt es eine solche Anwendung für den US-Musikdienst Spotify. Der User wird beim Hinzufügen der Anwendung explizit auf das Frictionless Sharing hingewiesen und muß dieser Funktionalität zustimmen. Bei manchen, aber nicht bei allen Apps kann der User zudem über Privatsphäre-Einstellungen bestimmen, wer die Mitteilungen auf Facebook erhalten soll. Will ein Freund auf Facebook, der die Mitteilung gesehen hat, etwa ein Musikstück dann über Facebook ebenfalls hören, muß er die App ebenfalls zulassen.

Ist das nun ein Privatsphäre-Problem? Meiner Meinung nach nicht. Da die Anbieter der Apps die User, die die Apps installieren wollen, über das Frictionless Sharing informieren müssen, muß jeder User, der eine solche App einsetzt, wissen, daß seine Aktivitäten ohne sein Zutun auf Facebook geteilt werden. Hier Facebook oder den Anbietern der Apps die Schuld dafür in die Schuhe zu schieben, daß die User nicht richtig lesen, was für Berechtigungen sie der App erteilen, ist meines Erachtens nicht zielführend.

Dennoch sollten die Anbieter von Social Apps mit Friction einige Dinge beachten, um die Akzeptanz für das Frictionless Sharing zu erhöhen. So sollten User die Möglichkeit haben, über Privatsphäre-Einstellungen selbst zu bestimmen, mit wem sie die Informationen teilen möchten.
Wünschenswert wäre auch eine Inhaltskontrolle, die es Usern ermöglicht, Kategorien von Liedern, Artikeln oder ähnlichem auszuwählen, die sie teilen möchten, um nicht jeden Musiktitel, den man zum Probehören anklickt, teilen zu müssen.
Darüber hinaus darf es auf gar keinen Fall einen Zwang geben, der einen Dienst nur dann nutzbar macht, wenn man Frictionless Sharing auf Facebook aktiviert. User müssen die Freiheit haben, im Vorfeld zu bestimmen, ob sie diese Informationen teilen möchten oder nicht.
Last but not least muß der Anbieter zusätzlich in seiner Datenschutzerklärung über das Frictionless Sharing und die genauen Bedingungen aufklären.

Sind diese Bedingungen erfüllt, stellen Social Apps mit Frictionless Sharing nun wahrlich kein Privatsphäre-Problem dar, sondern bieten vielmehr eine attraktive Möglichkeit, anderen Menschen mitzuteilen, daß man gerade einen interessanten Artikel liest oder ein schönes Musikstück hört. Selbstverständlich muß man dabei wissen, was man tut. Aber das ist Aufgabe des Users. Dafür ist Medienkompetenz gefragt, nicht Facebook- oder Anbieter-Schelte.

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