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Weihnachten: Es begann mit einem Datenschutzskandal

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Wenn Sie die Überschrift dieses Artikels lesen, werden Sie vielleicht denken: Jetzt ist er völlig übergeschnappt. Und doch: Weihnachten begann aus unserer heutigen Sicht mit einem Datenschutzskandal.

Im Lukasevangelium Kapitel 2, Vers 1-5 heißt es nämlich:

"(1) Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt geschätzt würde.
(2) Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war.
(3) Und jedermann ging, daß er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt.
(4) Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlecht Davids war,
(5) damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger."

Was Kaiser Augustus hier angeordnet hat, war also nichts anderes als eine Volkszählung, die damals keinerlei Einschränkungen unterlag. Wir wissen nicht, wie Maria und Joseph diesem Ansinnen gegenüber standen. Darüber berichtet die Bibel nichts. Fest steht jedoch, daß Augustus, würde er heute und in Deutschland regieren, damit nicht mehr so einfach durchkäme. Unserer Zeitrechnung nach 1983 Jahre nach dieser berühmtesten - aber nicht ersten - Volkszählung der Menschheitsgeschichte hat das Bundesverfassungsgericht in einem bis heute bedeutsamen Urteil Volkszählungen in Deutschland engen Grenzen unterworfen und damit vor allem durch die Feststellung eines Grundrechts auf informationelle Selbstbestimmung den Grundstein für den modernen Datenschutz gelegt. Für das kommende Jahr 2011 ist der nächste Zensus geplant, und wieder gibt es Menschen und Organisationen, die dagegen klagen wollen. Und das aus gutem Grund.

Vielleicht sollten wir angesichts dieses historischen Hintergrunds die besinnlichen Weihnachtstage auch zum Anlaß nehmen, zu hinterfragen, wie Datenschutz bei Volkszählungen künftig aussehen soll. Denn zu Zeiten Augustus und Jesu waren solche Volkszählungen natürlich relativ harmlos, weil es kaum Möglichkeiten gab, Daten ohne großen Aufwand miteinander zu verknüpfen, und natürlich von vornherein deutlich weniger personenbezogene Daten über den Einzelnen im Umlauf waren. Aber mit den Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts, Daten auf elektronischem Wege miteinander zu verknüpfen, entstehen ganz neue Gefahren für die informationelle Selbstbestimmung, die auch die Verfassungsrichter im Jahr 1983 noch nicht abschätzen konnten. Hinzu kommen natürlich noch die Daten aus sozialen Netzwerken, die wir tagtäglich freiwillig ins Netz stellen. Damit werden über jeden Menschen Datenberge angehäuft, die man sich zu Zeiten von Augustus und auch 1983 noch nicht vorstellen konnte. Man kann daher gespannt sein, wie das Bundesverfassungsgericht diesen neuen Anlauf beurteilt.

Ich wünsche meinen Lesern dennoch frohe Weihnachten und alles Gute für ein hoffentlich datenschutzbewußtes Jahr 2011!

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Eine Reaktion zu “Weihnachten: Es begann mit einem Datenschutzskandal”

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