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Mobiltelefon-Apps hören mit – und informieren nicht darüber!

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Das t3n-Magazin berichtet heute, daß immer mehr Mobiltelefon-Apps über das eingebaute Mikrofon Geräusche aus der Umgebung des Telefonbesitzers aufnehmen und Vermarkter diese zu Marketingzwecken auswerten. Das Problem an der Geschichte ist dabei, daß die App-Hersteller darüber oft nicht oder nicht ausreichend informieren und die Snooping genannte Funktion oft nicht deaktivierbar ist.

So weit, so schlecht. Marcel Seer von t3n kommt jedoch in seinem Artikel zudem zu einem Schluß, der bei mir nur ungläubiges Kopfschütteln hervorruft, wenn er dort schreibt:

"Den App-Entwicklern kann man nicht vorwerfen, dass sie alle Möglichkeiten nutzen, die sich ihnen durch die Smartphones bieten. Zu wertvoll sind da doch die Informationen, die ihnen so einfach in die Hände fallen können."

Das sehe ich anders. Wenn die App-Entwickler, wie bisher, nicht oder nicht ausreichend darüber informieren, kann man ihnen das sehr wohl vorwerfen. Es gibt in Deutschland schon lange klare rechtliche Vorgaben, die hier schlicht ignoriert werden, wenn solche Apps in die deutschen App-Markets kommen. Seers weitere Ausführungen über klare Regelungen klingen dann auch mehr wie ein frommer Wunsch:

"Allerdings sollte es in den Richtlinen zur App-Entwicklung der verschiedenen Plattformen klar geregelt werden: Wenn die Mikrofone zum Mithören von Geräuschkulissen genutzt werden, dann sollten die Nutzer davon unmissverständlich in Kenntnis gesetzten werden."

Hier irrt der Autor schon wieder. Es "sollte" nicht klar geregelt werden, es muß klar geregelt werden! Und die Nutzer "sollten" darüber nicht in Kenntnis gesetzt werden, sie müssen darüber in Kenntnis gesetzt werde! Das ist in Deutschland eindeutig geregelt.

Denn selbstverständlich können bei solchen Aufnahmen auch personenbezogene Daten anfallen und intimste Gespräche mitgehört werden. Aber selbst wenn keine Gesprächsinhalte aufgezeichnet werden, lassen die Aufnahmen genaueste Schlüsse über das Leben der abgehörten Personen zu. So etwas muß der User wissen und verhindern können. Denn im Ernstfall ist dieses Abhören durch die Apps vergleichbar mit einer akustischen Wohnraumüberwachung, wie sie der Staat nur unter engsten Voraussetzungen durchführen darf. Es kann daher nicht sein, daß hier seitens der freien Wirtschaft wieder mal Wildwuchs entsteht, den offenbar keiner kontrolliert und der ein massives Eindringen in die Privatsphäre der User erlaubt. Zumindest die Betreiber der offiziellen App-Markets sind daher auch gefordert, bei Kenntnis über einen solchen schwerwiegenden Verstoß die entsprechende App aus ihrem Angebot zu entfernen.

Usern, die ein solches Abhören verhindern möchten, kann man angesichts dieser Entwicklungen zukünftig nur raten, das Handy zumindest in der eigenen Wohnung auszuschalten oder zumindest so zu verstauen, daß die Aufnahmequalität zu schlecht wird.

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4 Reaktionen zu “Mobiltelefon-Apps hören mit – und informieren nicht darüber!”

  1. Lukas

    "Usern, die ein solches Abhören verhindern möchten, kann man angesichts dieser Entwicklungen zukünftig nur raten, das Handy zumindest in der eigenen Wohnung auszuschalten oder zumindest so zu verstauen, daß die Aufnahmequalität zu schlecht wird."

    oder sich einfach ein telefon zulegen, dass zum telefonieren da ist und für den ganzen anderen kram den pc benutzen.

  2. SuddenGrey

    welche apps sind das denn?

  3. Alex

    @Lukas Wenn das immer ginge, wäre es schön. Ich muß beruflich unbedingt mobil auf's Internet zugreifen können. Nahezu allen Leuten, die ich kenne und die das Handy geschäftlich nutzen, geht es genauso. Zudem nutze ich Apps, die mich beispielsweise über Serverausfälle sofort benachrichtigen, die erfordern, daß ich auch zu Hause das Handy immer an habe.

    @SuddenGrey in den Artikeln sind einige genannt. Man kann m. E. aber auch schon von einer Dunkelziffer ausgehen...

  4. Rechtswidrige Schnüffelfunktion von Smartphone-Apps | DVaulont

    [...] zulässig ist das sogenannte Snooping nicht. Wie Alexander Schestag richtig anmerkt, fallen bei diesen Aufnahmen auch personebezogene Daten an. Personenbezogene Daten sind gemäß § [...]

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So weit, so schlecht. Marcel Seer von t3n kommt jedoch in seinem Artikel zudem zu einem Schluß, der bei mir nur ungläubiges Kopfschütteln hervorruft, wenn er dort schreibt:

"Den App-Entwicklern kann man nicht vorwerfen, dass sie alle Möglichkeiten nutzen, die sich ihnen durch die Smartphones bieten. Zu wertvoll sind da doch die Informationen, die ihnen so einfach in die Hände fallen können."

Das sehe ich anders. Wenn die App-Entwickler, wie bisher, nicht oder nicht ausreichend darüber informieren, kann man ihnen das sehr wohl vorwerfen. Es gibt in Deutschland schon lange klare rechtliche Vorgaben, die hier schlicht ignoriert werden, wenn solche Apps in die deutschen App-Markets kommen. Seers weitere Ausführungen über klare Regelungen klingen dann auch mehr wie ein frommer Wunsch:

"Allerdings sollte es in den Richtlinen zur App-Entwicklung der verschiedenen Plattformen klar geregelt werden: Wenn die Mikrofone zum Mithören von Geräuschkulissen genutzt werden, dann sollten die Nutzer davon unmissverständlich in Kenntnis gesetzten werden."

Hier irrt der Autor schon wieder. Es "sollte" nicht klar geregelt werden, es muß klar geregelt werden! Und die Nutzer "sollten" darüber nicht in Kenntnis gesetzt werden, sie müssen darüber in Kenntnis gesetzt werde! Das ist in Deutschland eindeutig geregelt.

Denn selbstverständlich können bei solchen Aufnahmen auch personenbezogene Daten anfallen und intimste Gespräche mitgehört werden. Aber selbst wenn keine Gesprächsinhalte aufgezeichnet werden, lassen die Aufnahmen genaueste Schlüsse über das Leben der abgehörten Personen zu. So etwas muß der User wissen und verhindern können. Denn im Ernstfall ist dieses Abhören durch die Apps vergleichbar mit einer akustischen Wohnraumüberwachung, wie sie der Staat nur unter engsten Voraussetzungen durchführen darf. Es kann daher nicht sein, daß hier seitens der freien Wirtschaft wieder mal Wildwuchs entsteht, den offenbar keiner kontrolliert und der ein massives Eindringen in die Privatsphäre der User erlaubt. Zumindest die Betreiber der offiziellen App-Markets sind daher auch gefordert, bei Kenntnis über einen solchen schwerwiegenden Verstoß die entsprechende App aus ihrem Angebot zu entfernen.

Usern, die ein solches Abhören verhindern möchten, kann man angesichts dieser Entwicklungen zukünftig nur raten, das Handy zumindest in der eigenen Wohnung auszuschalten oder zumindest so zu verstauen, daß die Aufnahmequalität zu schlecht wird.

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  1. Lukas

    "Usern, die ein solches Abhören verhindern möchten, kann man angesichts dieser Entwicklungen zukünftig nur raten, das Handy zumindest in der eigenen Wohnung auszuschalten oder zumindest so zu verstauen, daß die Aufnahmequalität zu schlecht wird."

    oder sich einfach ein telefon zulegen, dass zum telefonieren da ist und für den ganzen anderen kram den pc benutzen.

  2. SuddenGrey

    welche apps sind das denn?

  3. Alex

    @Lukas Wenn das immer ginge, wäre es schön. Ich muß beruflich unbedingt mobil auf's Internet zugreifen können. Nahezu allen Leuten, die ich kenne und die das Handy geschäftlich nutzen, geht es genauso. Zudem nutze ich Apps, die mich beispielsweise über Serverausfälle sofort benachrichtigen, die erfordern, daß ich auch zu Hause das Handy immer an habe.

    @SuddenGrey in den Artikeln sind einige genannt. Man kann m. E. aber auch schon von einer Dunkelziffer ausgehen...

  4. Rechtswidrige Schnüffelfunktion von Smartphone-Apps | DVaulont

    [...] zulässig ist das sogenannte Snooping nicht. Wie Alexander Schestag richtig anmerkt, fallen bei diesen Aufnahmen auch personebezogene Daten an. Personenbezogene Daten sind gemäß § [...]

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